Zentrum für Ethik und Philosophie in der Praxis (ZEPP)
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Nachgefragt – Ethikgespräche an der LMU

plakat nachgefragt wise23-24"Nachgefragt" geht in die nächste Frage- und Diskussionsrunde. Wir interviewen – Sie haken nach: am Zentrum für Ethik und Philosophie in der Praxis wollen wir mit Ihnen zusammen über aktuelle Fragen der Ethik diskutieren.

Organisator*innen: Marius Baumann (ZEPP), Paulus Kaufmann (LMU), Korbinian Rüger (LMU), Felicitas Selter (ZEPP)

Die Videos der vergangenen Vorträge finden Sie unter Videoaufzeichnungen.

Zeit: 19:30-21:00 Uhr (s.t.)

Ort: Raum M 210 (Raumfinder), Geschwister-Scholl-Platz 1
        und online über Zoom (hybrid)

                                           Anmeldung: https://eveeno.com/nachgefragt


Programm Wintersemester 2023/24

DatumThemaReferent*in
21. November 2023    Sorge, Angst oder Panik? Reflexionen über die Atomkriegsgefahr Prof. Dr. Olaf Müller
23. Januar 2024 Die ferne Zukunft der Menschheit - Soll es uns weiter geben? Prof. Dr. Tim Henning
06. Februar 2024 Was darf Protest? Julia Zilles

21. November 2023 – Sorge, Angst oder Panik? Reflexionen über die Atomkriegsgefahr

nachgefragt_mueller_2023

Photo von M. Heyde

Prof. Dr. Olaf Müller

Angst ist immer ein schlechter Ratgeber - so heißt es. Mit Blick auf den Ukraine-Krieg und die durch ihn gestiegene Atomkriegsgefahr plädiert Olaf Müller für eine Revision dieser Spruchweisheit. Wenn Pazifisten vor dem Atomkrieg warnen, so tun wir nicht gut daran, diese Warnungen in den Wind zu schlagen. Angst kann verhindern, dass wir uns vorschnell an kriegerischen Handlungen beteiligen, gegen die es philosophisch gute Argumente gibt. Waffenlieferungen, Kriegsrhetorik und vor allem eine recht sorglose Einstellung zum Krieg verdienen eine genauere philosophische Analyse.

Olaf L. Müller studierte in Göttingen Philosophie und Mathematik mit Nebenfächern Volkswirtschaftslehre und Informatik. Seit 2003 lehrt er Natur- und Wissenschaftsphilosophie an der Humboldt-Universität Berlin. Forschungsaufenthalte in Los Angeles, Krakau, Harvard sowie zuletzt in Tokyo, wo er im Wintersemester 2016 eine Gastprofessur an der Keio-Universität innehatte. In seinen Büchern verteidigte er Goethes Angriff auf Newtons Optik (Mehr Licht, 2015); er analysierte die erstaunlich große Rolle des Schönheitssinns für die Entwicklung der neuzeitlichen Physik (Zu schön, um falsch zu sein, 2019), erzählte die Geschichte der naturwissenschaftlichen Kooperation zwischen Goethe und Johann Ritter bei der Entdeckung des UV-Lichts (Ultraviolett, 2021) und plädierte für einen pragmatischen Pazifismus (Pazifismus. Eine Verteidigung, 2022). Siehe auch www.farbenstreit.de

 

23. Januar 2024 – Die ferne Zukunft der Menschheit - Soll es uns weiter geben?

Tim-HenningProf. Dr. Tim Henning

Die Anzahl zukünftiger Menschen könnte atemberaubend groß sein. Das kumulative Gewicht des Glücks dieser Menschen ist so gewaltig, dass unsere Pflichten ihnen gegenüber alle anderen moralischen Anliegen in den Schatten stellen könnten. Das ist der Kern des sogenannten "Longtermism", einer jungen aber bereits einflussreichen Strömung in der Moralphilosophie, die besagt, dass eine möglichst glückliche und lange Zukunft der Menschheit absoluten moralischen Vorrang hat. Wie plausibel ist der Longtermism? Wie weit reichen unsere moralischen Pflichten anderen Menschen gegenüber in die Zukunft? Noch grundsätzlicher: Schulden wir zukünftigen Menschen überhaupt etwas?

Tim Henning promovierte 2007 an der Universität Köln. Für seine Dissertation „Person sein und Geschichten erzählen“ wurde er mit dem Wolfgang-Stegmüller-Preis ausgezeichnet. Von 2014 bis 2020 war er Professor für Praktische Philosophie und Geschichte der Philosophie an der Universität Stuttgart. Anschließend wechselte er an die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, wo er Leiter des Arbeitsbereiches Praktische Philosophie ist. Zu seinen Fachgebieten gehören normative Ethik (insbesondere Kant), Metanormativität, angewandte Ethik (Bio- und Wirtschaftsethik), analytische Sprachphilosophie sowie personale Identität und Autonomie.

6. Februar 2024 – Was darf Protest?

nachgefragt_zilles_2023Julia Zilles

Insbesondere die Protestaktionen der Protestgruppe „Letzte Generation“ haben in den letzten Monaten eine Debatte über die Frage ausgelöst, was Protest eigentlich darf. Ist es legitim, den Straßenverkehr zu blockieren und autofahrende Menschen aufzuhalten, rechtzeitig zur Arbeit oder anderen Terminen zu kommen? Dabei ließ sich in der medialen Debatte sehr schnell eine Schieflage feststellen. Das Framing der Protestierenden als „Klima-RAF“ oder „Ökoterroristen“ steht im starken Kontrast zur gewaltfreien Ausrichtung der Gruppe, ihrer Aktionen sowie ihrer Forderungen (Tempolimit, günstiges deutschlandweites Nahverkehrsticket). Protestaktionen sind ein unerlässliches demokratisches Mittel, um Kritik und Widerspruch zu (ausbleibendem) politischem Handeln Ausdruck zu verleihen, insbesondere für Themen bei denen die politische Praxis mit gesetzlichen Vorgaben oder gesellschaftlich gesteckten Zielen nicht kongruent ist. Protest fordert hier Verantwortungsübernahme ein und wirkt als Korrektiv. Und in diesem Sinne darf Protest erstmal sehr viel – vor allem auch den Alltag stören, nicht gefällig sein sowie Politik und Gesellschaft nerven.

Julia Zilles ist Sozialwissenschaftlerin und forscht seit 2014 zu lokalen Konflikten und gesellschaftlicher Polarisierung im Kontext der Energiewende, seit 2021 am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e.V., zuvor am Göttinger Insitut für Demokratieforschung. Zudem koordiniert sie den gesellschaftswissenschaftlichen Forschungsbereich des Energie-Forschungszentrums Niedersachsen (EFZN). 2022 hat sie gemeinsam mit Emily Drewing und Julia Janik den Sammelband „Umkämpfte Zukunft“ (transcript-Verlag, open access) mitherausgegeben.