Zentrum für Ethik und Philosophie in der Praxis (ZEPP)
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Nachgefragt – Ethikgespräche an der LMU

"Nachgefragt" geht in die nächste Frage- und Diskussionsrunde. Wir interviewen – Sie haken nach: am Zentrum für Ethik und Philosophie in der Praxis wollen wir mit Ihnen zusammen über aktuelle Fragen der Ethik diskutieren.

Die Videos der vergangenen Vorträge finden Sie unter Videoaufzeichnungen.

Zeit: 19:30-21:00 Uhr (s.t.)

Ort: Raum M 210 (Raumfinder), Geschwister-Scholl-Platz 1
       und online über Zoom (hybrid)
Anmeldung: eveeno.com

Programm Sommersemester 2026

DatumReferent*inThema
28. April 2026 Kristina Lepold (HU Berlin) Ist das rassistisch? Zur Frage, wer eigentlich was wissen kann
19. Mai 2026 Nils Baratella (Hochschule Düsseldorf) Warum dem Kämpfen zusehen? Sozialphilosophische Beobachtungen zum Kampfsport
14. Juli 2026 Manon Westphal (TU München) Demokratische Innovationen: Neue Formen der Partizipation

 

28. April 2026. Ist das rassistisch? Zur Frage, wer eigentlich was wissen kann.

Lepold

Über Identitätspolitik wird seit Jahren intensiv gestritten. Immer wieder geht es dabei auch um die Frage, ob das subjektive Erleben, also die Art und Weise, wie Personen bestimmte Situationen wahrnehmen, eine angemessene Grundlage für Wissen über das, was ihnen widerfährt, bieten kann. Kritiker:innen der Identitätspolitik behaupten, dass im Rahmen von Identitätspolitik einzig die persönliche Betroffenheit von Menschen zähle; es gehe bloß noch darum, wie sich Leute fühlen. So reiche es heute schon, sich diskriminiert zu fühlen, um behaupten zu können, dass man tatsächlich diskriminiert werde. Im Gespräch wollen wir unter anderem der Frage nachgehen, ob diese Skepsis gegenüber dem subjektiven Empfinden wirklich gerechtfertigt ist. Begibt sich jeder, der eine persönliche Erfahrung zum Beispiel von Rassismus oder Sexismus geltend macht, um eine Überzeugung zu stützen, oder der allgemeiner meint, das eigene Erleben sei eine Quelle von Wissen, erkenntnistheoretisch auf zweifelhaftes Terrain? Kristina Lepold ist seit 2020 Juniorprofessorin für Sozialphilosophie/Kritische Theorie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie forscht aus philosophischer Perspektive zu Rassismus und ist unter anderem Mitherausgeberin des Readers Critical Philosophy of Race (Suhrkamp, 2021). In einem aktuellen Forschungsprojekt geht sie dem Zusammenhang von Wissen und persönlicher Erfahrung nach.



19. Mai 2026. Warum dem Kämpfen zusehen? Sozialphilosophische Beobachtungen zum Kampfsport.

bratella_nilsDonald Trump plant, seinen 80. Geburtstag mit einem MMA-Event vor dem Weißen Haus zu begehen. Damit besteigt der Kampfsport erneut die politische Bühne. Dies ist nicht neu. Im Gegenteil: Kampfsport diente schon seit der Antike als Projektionsfläche für konflikthafte Zeiten und Weltbilder in zweierlei Hinsichten: Einerseits geht es hier um nichts als den körperlichen Kampf. Andererseits findet dieser Kampf aber nach Regeln statt, die auf anerkannten Werten und Normen beruhen. Die Kontrahenten treten einander gegenüber und erkennen sich als Gegner an. Im Vortrag soll diesen Ambivalenzen des Kampfsports als Praxis und als Symbol nachgegangen werden. Aus einer sozialphilosophischen Perspektive wird Kampfsport sowohl als Technik der Selbstbehauptung angesehen als auch als Vehikel sozialer Werte, Identitätsbildung und ethischer Reflexion. Fungiert Kampfsport als moderierte Form der Aggression, die Konflikte sozial reguliert, als Spiegel sozialer Konflikte und Machtstrukturen oder kehren in ihm manichäische Weltbilder, soldatische Männlichkeitsideale und die Normalisierung von Aggression zurück? Nils Baratella ist Professor für Sozialphilosophie und Sozialethik an der Hochschule Düsseldorf und beschäftigt sich mit politischer Philosophie, Gerechtigkeitstheorien und den kulturellen Ausdrucksformen von Subjektivität, insbesondere im Sport.

 

14. Juli 2026. Demokratische Innovationen. Neue Formen der Partizipation

Westphal_Manon

In der Debatte über demokratische Innovationen geht es um neue Formate
für die Beteiligung von Menschen an politischen Prozessen. Zum Beispiel
werden in sogenannten Citizens' Assemblies oder auch Bürgerräten
Menschen zufällig ausgewählt, um über ein bestimmtes politisches Thema
zu beraten und Empfehlungen für politische Entscheidungen zu erarbeiten.
Solche Formate werden genutzt, um politische Prozesse inklusiver zu
gestalten und nicht selten wird mit ihnen auch die Hoffnung verbunden,
Demokratien insgesamt zu stärken und resilienter machen zu können.
Allerdings gibt es auch Kritik an demokratischen Innovationen. So wird
etwa argumentiert, dass sie nur Wenigen mehr Beteiligung ermöglichen und
in der Regel kaum Einfluss auf politische Entscheidungen haben. Die
Frage, welche Rolle demokratische Innovationen in der Zukunft der
Demokratie spielen könnten, erfordert deshalb eine Auseinandersetzung
mit Argumenten für und gegen demokratische Innovationen – sowie Ideen
für Möglichkeiten, bestehende Formate zu verbessern und neue zu
entwickeln. Manon Westphal forscht im Bereich Demokratietheorie und zu realistischer
politischer Theorie. Zu ihren Schwerpunkten zählen politische
Konfliktregulierung, Machtkonzentration und Polarisierung sowie
demokratische Innovationen, die Bürgerinnen und Bürgern neue Formen der
politischen Einflussnahme eröffnen. Sie studierte Politikwissenschaft,
Geschichte und Kommunikationswissenschaft und ist seit 2025 Professorin
für Politische Theorie und Philosophie an der TU München. Dort leitet
sie das Democratic Innovations Lab am TUM Think Tank.

 

 

 

 

Organisation: Paulus Kaufmann, Hannes Kuch